Codes, Kürzel, Schlüssel, Geheimbotschaften

von Ewald Brunmüller

Warum trägt ein österreichischer Politiker das Palästinensertuch?

Den Anlass dieses Artikels lieferte mir ein Politiker. Ich sah ihn kurz im Fernsehen, als er gerade eine Pressekonferenz hielt. Was er dort sagte, weiß ich nicht mehr. Aber mir fiel sofort auf, dass er ein Palästinensertuch trug. Dieses Tuch – auch „Kufiya“ genannt – ist ein traditionelles Kleidungsstück im arabischen Raum und wird dort zum Schutz vor der Sonne und vor Staub getragen. Berühmt wurde es durch den Palästinenserführer Yassir Arafat, der es zu einem palästinensichen Nationalsymbol und zu seinem persönlichen Markenzeichen hochstilisierte.

Was will er damit sagen?

Worauf will ich mit dieser kleinen Geschichte hinaus? Es geht diesmal um Codes. Nachdem ich den Politiker mit dem Palästinenserschal gesehen hatte, fragte ich mich: Warum trägt er es? Eine kurze Recherche im Internet ergab zunächst, dass es derzeit vor allem bei Jugendlichen in Mode ist, dieses Tuch zu tragen. Da ich nicht mehr in der Großstadt wohne, ist mir das bis jetzt nicht aufgefallen. Nun gibt sich jener Politiker, trotzdem er bereits Anfang vierzig ist, betont jugendlich. Und so könnte man meinen, dass das Tragen der Kufiya da eben dazu gehört. Jetzt weiß ich aber auch, dass gewiefte Politiker nichts einfach nur so machen. Fast alles, was sie sagen oder tun, hat eine tiefere Bedeutung und trägt zu ihrem Gesamtbild bei. Es sind viele kleine Codes, die den Menschen vermitteln sollen: „Ich denke wie ihr und bin einer von euch“.

Wie vereinbart …

Unter einem Code versteht man ganz allgemein eine Vereinbarung. Es ist also eine Regel, die von allen anerkannt ist, über die alle Bescheid wissen und an die sich alle automatisch halten.

Heute verstehen die meisten unter einem Code eine Art Schlüssel für eine geheime Nachricht. Es ist eine Information, ohne die man eine Botschaft nicht verstehen kann, ein Passwort, ohne das man den tieferen Sinn einer Nachricht nicht entschlüsseln kann.

Ich weiß, was du meinst

Es gibt unzählige solcher Codes und wir benutzen sie täglich, ohne uns viel Gedanken darüber zu machen. Das hat auch seine Vorteile. Wir können mit unseren verschiedenen Codes sehr effizient miteinander kommunizieren. Ich brauche in bestimmten Situationen nur ein bestimmtes Gesicht zu machen, und jeder weiß Bescheid, wie ich über etwas denke. Aber Voraussetzung ist immer: die anderen wissen, was mein „Code“ bedeutet. Andernfalls kann der Schuss leicht nach hinten losgehen und es kommt zu Missverständnissen.

Vom Code zum Ritual

Viele Codes in unserem täglichen Leben haben sich in Ritualen manifestiert. Ein in unserem Kulturkreis sehr verbreitetes Ritual ist beispielsweise der Händedruck. Was für uns heute ewas ganz Selbstverständliches ist, war früher ein Code. Er stammt aus einer Zeit, in der die meisten Männer irgendeine Waffe trugen. Sie taten dies, weil die Zeiten unsicher waren und man vor allem Fremden nicht trauen konnte. Wollte man damals jemandem in Freundschaft begegnen, so zeigte man offen seine Handflächen und reichte sich die rechte Hand, in der man sonst die Waffe getragen hätte.

Verschlüsselte Botschaften

Kommen wir zurück zum Palästinensertuch. Wenn ich davon ausgehe, dass jener Politiker mit dem Tragen des Tuches etwas Bestimmtes ausdrücken will, was könnte das dann sein? Welchen Code benutzt er? Ich hätte es nicht auf Anhieb gewusst. Es war aber auch nicht sehr schwierig herauszufinden. Es sind zwar mehrere Bedeutungen möglich, aber die für mich wahrscheinlichste ist folgende: Nach dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ übernimmt er damit anscheinend die Haltung der Palästinenser gegenüber Israel. Das Tragen des Palästinensertuches gilt in gewissen Kreisen daher als Code für „Ich bin gegen die Juden“. Es handelt sich übrigens um die gleichen Kreise, denen eine Kandidatin zur Wahl des österreichischen Bundespräsidenten mit einer etwas tollpatschig codierten Aussage ihre Meinung zur Existenz der Gaskammern im Dritten Reich kundtat.

Published in: on 1. Mai 2010 at 4:57 pm  Hinterlasse einen Kommentar  

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