Frühjahrsputz: Wie Sie Ihr Leben entrümpeln

von Ewald Brunmüller

Da ich diese Zeilen schreibe, liegt noch viel Schnee. Es ist aber schon wärmer geworden und der Frühling lässt sich erahnen. Frühling hat etwas mit Neubeginn zu tun. Dazu muss man aber meist etwas Altes loslassen. So wie man mit dem Frühjahrsputz den alten Staub aus der Wohnung schafft, so kann man auch sein Leben ausmisten und entrümpeln.

Was ist wirklich wichtig?

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich für viele Dinge interessiere. Musik, Theater, Vereine, Computer, Sprache, Menschen … das sind nur einige der Themen, mit denen ich mich nur allzu gerne beschäftige. Vor ungefähr einem Jahr musste ich erkennen, dass alles zusammen zu viel des Guten ist. Und noch etwas habe ich erkannt: Im Laufe des Lebens veränderten sich meine Interessen. Ich habe immer Neues begonnen, aber Altes nicht losgelassen. Genau das ist aber unbedingt notwendig, denn sonst ist man leicht überfordert und nur allzu schnell steht ein Burnout-Syndrom vor der Tür. Meine Lösung war: Ich stellte mir vor einem Jahr die Frage: Was ist für mich wirklich wichtig?

Unnützes belastet

Eine Antwort darauf zu finden war nicht ganz einfach, aber möglich. Für mich war es hilfreich, nicht nur nach Vor- und Nachteilen zu suchen, sondern auch auf mein Gefühl zu hören. Ich glaube, dass das Gefühl, das man zu einer Sache oder einem Thema hat, bei der Entscheidung dafür oder dagegen mindestens gleichberechtigt sein sollte. Wenn ich das Gefühl hatte, dass mich etwas mehr belastete als mir nützte, und auch sonst nicht viel dafür sprach, es zu behalten, dann entschloss ich mich, mich davon zu trennen. Meistens lag ich damit ‑ im Nachhinein betrachtet ‑ richtig. Für mich gibt es eine Ausnahme: Alles was mich an sehr positive Erlebnisse in meinem Leben erinnert, habe ich behalten.

Platz für Neues

Es hat viele Vorteile, wenn man sich von Altem trennt. All das, was vorher belastete und so Energie raubte, ist jetzt weg und es stellt sich ein wunderbares Gefühl der Befreiung ein. Man hat über das, was da geblieben ist, wieder mehr Übersicht. Das alles gilt sowohl für Immaterielles (Interessen, Aktivitäten, Beziehungen usw.) als natürlich auch für materielle Sachen.

Trennung in kleinen Schritten

Sich von etwas zu trennen, ist oft schwierig. Damit es leichter fällt, gibt es einige Tricks. Die vielen kleinen und unnützen materielle Dinge werden Sie ganz schnell so los: Nehmen Sie einen leeren Müllsack und gehen Sie damit durch die Wohnung. Alles was herumliegt und weder einen funktionellen noch einen ideellen Wert hat, kommt in den Sack und wird weggeworfen. Versuchen Sie es mal. Sie werden staunen, was da alles zusammenkommt. Achten Sie aber bitte auf die korrekte Mülltrennung! Dann gibt es noch jene Dinge, bei denen man ein schlechtes Gewissen hat, wenn man sie einfach wegschmeißen würde. Sammeln sie all dies zunächst einmal an einem Punkt und nehmen Sie sich vor, dass Sie es möglichst bald loswerden möchten. Es ergeben sich dann meist nach und nach Gelegenheiten dazu. Ich selbst verschenke diese Dinge oder verkaufe sie sehr günstig– aber nur an Menschen, von denen ich das Gefühl habe, dass sie es brauchen können und es auch schätzen. Ist etwas nach einem Jahr immer noch am Sammelplatz, kommt es in den Müll.

Bei den immateriellen Sachen mache ich es ganz ähnlich. Ich breche aber nicht alles sofort ab. Was ich beenden möchte, lasse ich sanft auslaufen. Eine Fähigkeit sollte man sich dafür angewöhnen: NEIN sagen – zu sich selbst und zu anderen. Aber das ist ein Kapitel für sich.

Rückfälle vermeiden

Wenn Platz für Neues da ist, möchte er sich rasch wieder füllen. Das ist auch gut so. Aber es sollte etwas sein, was für Sie wichtig ist und was Sie weiterbringt. Hier zwei Tricks, mit denen Sie Unnötiges vermeiden: Bevor Sie sich etwas kaufen, fragen Sie sich: Wenn mir jemand den Gegenwert in Geld geben würde, würde ich das Geld nehmen? Wenn ja, lassen Sie den Kauf bleiben. Bei immateriellen Dingen fragen Sie sich: Welche Auswirkungen könnte meine Entscheidung dafür in meinem Leben haben – in 10 Minuten, in 10 Monaten, in 10 Jahren? Danach wird Ihnen die Entscheidung, ob es für Sie wichtig ist oder nicht, viel leichter fallen.

Published in: on 21. Februar 2010 at 10:09 am  Hinterlasse einen Kommentar  

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